Beim Wasserfasten isst du mehrere Tage nichts und trinkst nur Wasser. Es ist die strengste Form des Fastens, bei der du noch trinkst. In sozialen Medien wird es mit schnellem Abnehmen, Zellreinigung und mehr Energie beworben. Die Studien zeigen ein nüchterneres Bild. Gewicht, Blutdruck und Insulin sinken kurzfristig, ein großer Teil davon kehrt nach dem Fasten zurück. Dazu kommen Risiken, die mit jedem Fastentag zunehmen.
Auf dieser Seite erfährst du, was Tag für Tag im Körper passiert und was die Studienlage hergibt. Du liest außerdem, worauf du beim Fastenbrechen achten musst und welche Fastenformen besser untersucht sind. Einen Überblick über alle Varianten findest du bei den Fastenmethoden.
Was ist Wasserfasten?
Beim Wasserfasten nimmst du über einen begrenzten Zeitraum keine Nahrung und keine Kalorien zu dir. Erlaubt ist nur Wasser. In der polnischen Studie von Ogłodek und Pilis tranken die Teilnehmer zum Beispiel Mineralwasser. Die Energiezufuhr liegt bei null. In der englischsprachigen Forschung heißt diese Form water-only fasting. Wenn Studien von längerem Wasserfasten sprechen, meinen sie meist 5 bis 20 Tage.
Abgrenzung zu Heilfasten, Trockenfasten und Intervallfasten
Heilfasten nach Buchinger: Hier trinkst du täglich etwas Saft und Gemüsebrühe, auf Wunsch mit etwas Honig. Die Leitlinien der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung nennen dafür höchstens etwa 250 bis 500 kcal pro Tag und mindestens 2,5 Liter kalorienfreie Flüssigkeit. Brühe und Saft liefern dabei einen Teil der Mineralstoffe, die beim Wasserfasten fehlen. Die Leitlinien beschreiben das Buchinger-Fasten als Standard und erwähnen das reine Wasserfasten nur als eine von mehreren Fastenformen.
Trockenfasten: Beim Trockenfasten verzichtest du zusätzlich auf jede Flüssigkeit. Der Körper trocknet dabei aus, und die Risiken sind deutlich höher. Wasserfasten und Trockenfasten werden in Blogs oft in einem Atemzug genannt. Für die Nieren und den Kreislauf ist der Unterschied entscheidend.
Intervallfasten: Beim Intervallfasten wechseln Essens- und Fastenzeiten innerhalb eines Tages oder einer Woche. Während der Fastenstunden ist Wasser jederzeit erlaubt. Suchanfragen wie “Wasser beim Intervallfasten” oder “darf man beim Fasten Wasser trinken” beziehen sich darauf. Mit Wasserfasten im engeren Sinn ist dagegen ein Verzicht auf Nahrung über mehrere Tage am Stück gemeint.
Die Nulldiät: Die Leitlinien der Ärztegesellschaft grenzen das therapeutische Fasten von der früheren Nulldiät ab. Damit war ein vollständiger Nahrungsverzicht über Wochen oder Monate gemeint, um bei starkem Übergewicht abzunehmen. Als Nachteile nennen die Leitlinien den Abbau von Körpereiweiß und das Fehlen begleitender Maßnahmen.
Wie funktioniert Wasserfasten? Was Tag für Tag im Körper passiert
Wenn du nichts mehr isst, stellt der Körper seine Energieversorgung schrittweise um. Wie schnell das geht, hängt davon ab, wie voll deine Speicher zu Beginn sind und wie viel du dich bewegst. Die folgenden Angaben sind Durchschnittswerte aus Studien mit gesunden oder übergewichtigen Erwachsenen.
Tag 1: Die Glykogenspeicher leeren sich
In den ersten Stunden nutzt der Körper Zucker aus dem Blut und das Glykogen, die Speicherform von Kohlenhydraten in Leber und Muskeln. Laut einer Übersichtsarbeit von Anton und Kollegen aus dem Jahr 2018 ist das Glykogen in der Leber nach 12 bis 36 Stunden weitgehend aufgebraucht. Ab dann stellt der Körper verstärkt auf Fett um, Fachleute sprechen vom metabolischen Wechsel. Glykogen wird zusammen mit Wasser gespeichert. Wenn die Speicher leer werden, verlierst du auch dieses Wasser. Das erklärt einen Teil des schnellen Gewichtsverlusts am Anfang und auch, warum dieses Gewicht beim Essen schnell zurückkommt.
Tag 2 und 3: Ketose und Umstellung
Ab dem zweiten Tag bildet die Leber aus Fettsäuren vermehrt Ketonkörper. Sie dienen Gehirn und Muskeln als Ersatz für Zucker, dieser Zustand heißt Ketose. Laut der Übersichtsarbeit von Ezpeleta, Gabel, Varady und Kollegen (2024) liegt das Insulin nach 5 bis 17 Tagen Fasten um 65 bis 80 Prozent niedriger als zu Beginn. Der Blutzucker sinkt bei Menschen ohne Diabetes nur leicht.
Gleichzeitig verliert der Körper Wasser und Salz. Die Leitlinien der Ärztegesellschaft beschreiben die ersten drei Tage als die Phase, in der die sogenannte Fastenkrise mit Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Stimmungstief am häufigsten auftritt.
Wer nach “3 Tage Wasserfasten, was passiert im Körper” sucht, findet oft die Aussage, nach drei Tagen beginne eine Erneuerung des ganzen Körpers. Belegt ist Folgendes: Eine Studie unter Beteiligung der Queen Mary University of London hat 2024 zwölf gesunde Freiwillige während sieben Tagen Wasserfasten begleitet und täglich rund 3.000 Eiweiße im Blut gemessen. Die Umstellung von Zucker auf Fett war nach 2 bis 3 Tagen vollzogen. Umfassende Veränderungen der Bluteiweiße, die auf eine Reaktion vieler Organe hindeuten, zeigten sich erst nach etwa drei Tagen. Was diese Veränderungen langfristig für die Gesundheit bedeuten, lässt sich aus der Studie nicht ablesen.
Tag 4 bis 7: Stabile Ketose, Gewicht sinkt weiter
In dieser Phase steigen die Ketonkörper weiter an. Laut der Übersichtsarbeit von 2024 erreicht der wichtigste Ketonkörper Beta-Hydroxybutyrat nach etwa 8 Tagen ein Plateau bei 4 bis 5 mmol pro Liter Blut. In der Studie von Pietzner und Kollegen verloren die Teilnehmenden in sieben Tagen im Mittel 5,7 kg. Drei Tage nach dem Fastenbrechen war der Verlust an fettfreier Masse fast vollständig ausgeglichen, der Fettverlust blieb bestehen.
Laut der Übersichtsarbeit sinken in dieser Zeit auch die Schilddrüsenwerte T3 und TSH.
Ab Tag 8: Elektrolyte geraten aus dem Gleichgewicht
Mit zunehmender Dauer zeigen sich in den Blutwerten Folgen des Fastens. In der Übersichtsarbeit von 2024 sanken Natrium und Chlorid nach 8 bis 10 Tagen unter den akzeptablen Bereich. Die Studie von Ogłodek und Pilis (2021) hat zwölf Männer mittleren Alters während 8 Tagen Wasserfasten untersucht. Es traten ein niedriger Natriumspiegel, eine erhöhte Harnsäure, Zeichen von Flüssigkeitsmangel und niedrigere Calcium- und Magnesiumwerte auf. Die Nieren versuchten gegenzusteuern und sparten Natrium und Kalium ein. Alle Teilnehmer fühlten sich wohl. Die Autoren schreiben aber, dass eine Fortsetzung des Fastens dem Körper geschadet hätte.
Eine Studie von 2025 in Molecular Metabolism hat 20 Erwachsene während rund zehn Tagen Wasserfasten untersucht. Der Entzündungswert CRP stieg während des Fastens um 129 Prozent und fiel nach dem Kostaufbau bei fast allen wieder auf den Ausgangswert. Gleichzeitig zeigten sich Zeichen einer Aktivierung der Blutplättchen. Die Autorinnen und Autoren halten das für bedenklich, weil solche Veränderungen Herz und Gefäße belasten könnten. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe.
Was die Studienlage zeigt
Die wichtigsten Studien im Überblick
Die beste Zusammenfassung stammt von der Arbeitsgruppe um Krista Varady von der University of Illinois Chicago. Ezpeleta, Gabel, Varady und Kollegen haben 2024 in Nutrition Reviews acht Studien zu Wasserfasten und Buchinger-Fasten von 5 bis 20 Tagen ausgewertet. Es handelt sich um eine erzählende Übersichtsarbeit, keine Metaanalyse. Die Ergebnisse:
- Das Gewicht sank um 2 bis 10 Prozent, bei längerem Fasten von 15 bis 20 Tagen stärker.
- Etwa zwei Drittel des Verlusts waren fettfreie Masse, ein Drittel Fett.
- Der Blutdruck sank um 9 bis 14 mmHg systolisch und 6 bis 13 mmHg diastolisch, allerdings nur bei einem Gewichtsverlust von mehr als 4 Prozent.
- Das Insulin sank deutlich, die Insulinresistenz um etwa ein Drittel, der Langzeitblutzucker HbA1c um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte.
- Beim LDL-Cholesterin waren die Ergebnisse widersprüchlich. Es sank in einigen Studien, in anderen stieg es oder blieb unverändert.
- Die Leberwerte blieben unverändert. Todesfälle oder schwere Zwischenfälle gab es in den ausgewerteten Studien nicht.
Die Verbesserungen bei Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker waren drei bis vier Monate nach dem Fasten nicht mehr nachweisbar, auch wenn das Gewicht gehalten wurde. Die Autorinnen und Autoren schreiben, dass die optimale Fastendauer weitgehend unbekannt ist.
Die größte Auswertung zur Sicherheit stammt von Finnell und Kollegen (2018). Sie haben Krankenakten einer stationären medizinischen Einrichtung in den USA ausgewertet, in der unter ärztlicher Aufsicht gefastet wurde. Einbezogen wurden 768 Aufenthalte mit mindestens zwei Tagen Wasserfasten zwischen 2006 und 2011. Drei Viertel der dokumentierten unerwünschten Ereignisse waren leicht und bekannte Fastenreaktionen. In 212 Aufenthalten trat mindestens ein schweres Ereignis auf, bei zwei Aufenthalten kam es zu schwerwiegenden Zwischenfällen. Todesfälle gab es keine.
Grenzen der Studien
Die Studienlage zum Wasserfasten ist dünn. Die Studien mit genauen Labormessungen umfassen meist nur 12 bis 30 Personen, und fast keine hat eine Kontrollgruppe. Fast alle fanden unter ärztlicher Aufsicht statt, oft mit ausgewählten Teilnehmenden. Ein Teil der Studien stammt aus Fastenkliniken, die Wasserfasten selbst anbieten, etwa dem TrueNorth Health Center. Für Wasserfasten zu Hause ohne Begleitung gibt es keine vergleichbaren Daten. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht auf jemanden übertragen, der allein fastet.
Wasserfasten und Gewichtsverlust
Der Gewichtsverlust beim Wasserfasten ist schnell, aber er besteht zu einem großen Teil aus Wasser, Glykogen und anderer fettfreier Masse. Zur fettfreien Masse zählen Muskeln, Organe und Körperwasser. Wie viel davon echtes Muskelgewebe ist, lässt sich mit den üblichen Messmethoden schwer trennen, weil sie stark vom Wasserhaushalt beeinflusst werden.
Drei Studien zeigen, wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen:
- Wiederzunahme ohne Begleitung: In einer der von Varady ausgewerteten Studien hatten die Teilnehmenden das in fünf Tagen Wasserfasten verlorene Gewicht nach drei Monaten vollständig wieder zugenommen. Wer nach dem Fasten eine Anleitung zur Kalorienreduktion bekam, nahm in 2 bis 4 Monaten nur 1 bis 2 Prozent wieder zu. Varady erklärt den hohen Anteil fettfreier Masse damit, dass der Körper ständig Eiweiß braucht und es ohne Zufuhr aus den Muskeln holt.
- Sieben Tage mit Nachbeobachtung: In der Studie von Pietzner und Kollegen mit zwölf Freiwilligen war der Verlust an fettfreier Masse drei Tage nach dem Fasten fast vollständig zurück, der Fettverlust blieb.
- Längeres Fasten mit Ernährungsumstellung: Gabriel und Kollegen haben 2025 Daten von 29 übergewichtigen Erwachsenen aus dem TrueNorth Health Center ausgewertet. Sie fasteten im Median 14 Tage und aßen danach pflanzliche Vollwertkost. Am Ende des Fastens war das Gewicht im Median um 9,8 Prozent gesunken, die fettfreie Masse um 13,8 Prozent. Rund sechs Wochen nach dem Kostaufbau lag das Gewicht noch 8,2 Prozent unter dem Ausgangswert. Zu diesem Zeitpunkt machte Fett 67 Prozent des Verlusts aus. Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass ein großer Teil des Verlusts an fettfreier Masse während des Fastens auf Glykogen und daran gebundenes Wasser zurückging. Eine Kontrollgruppe gab es nicht.
Das Gewicht, das du in den ersten Tagen verlierst, sagt wenig über den Fettabbau aus. Ob du dauerhaft abnimmst, hängt vor allem davon ab, wie du nach dem Fasten isst. Eine Studie, die Wasserfasten mit einer gleich langen Ernährungsumstellung ohne Fasten vergleicht, gibt es bisher nicht.
Was bringt Wasserfasten? Vorteile ehrlich eingeordnet
Blutdruck
Die bekannteste Studie stammt von Goldhamer und Kollegen aus dem Jahr 2001. 174 Menschen mit Bluthochdruck fasteten im Mittel 10 bis 11 Tage mit Wasser, danach folgte eine fettarme, salzarme und vegane Kost. Der Blutdruck sank im Mittel um 37 zu 13 mmHg, fast 90 Prozent erreichten Werte unter 140 zu 90 mmHg. Die Studie lief über zwölf Jahre in einer Klinik, hatte keine Kontrollgruppe und wertete fortlaufend aufgenommene Patientinnen und Patienten aus. Welchen Anteil das Fasten und welchen die anschließende Ernährung hatte, lässt sich daraus nicht trennen. Laut der Übersichtsarbeit von 2024 kehrte der Blutdruck in den ausgewerteten Studien nach dem Fastenbrechen auf den Ausgangswert zurück, auch wenn das Gewicht gehalten wurde.
Insulin und Blutzucker
Insulin und Insulinresistenz sinken während des Fastens deutlich. Bei Menschen mit Diabetes blieben die Werte für die Blutzuckerregulation in den ausgewerteten Studien unverändert. Teilnehmende mit Diabetes fasteten dort unter enger Überwachung, und ihre Insulindosis wurde angepasst. Wenn du Diabetes hast, ist Wasserfasten ohne ärztliche Begleitung gefährlich.
Wohlbefinden
In der Studie von Ogłodek und Pilis sank der empfundene Stress nach acht Tagen Wasserfasten deutlich. In der Klinikstudie mit 1.422 Teilnehmenden zum Buchinger-Fasten gaben 93,2 Prozent an, keinen Hunger zu haben. Beide Studien hatten keine Kontrollgruppe. Beim Wasserfasten nennt die Übersichtsarbeit von 2024 Hunger dagegen als häufige Nebenwirkung.
Autophagie und Entgiftung
Oft heißt es, Wasserfasten setze die Autophagie in Gang, also den Recyclingprozess der Zellen. Die meisten Belege dafür stammen aus Tierversuchen. Für den Menschen ist nicht geklärt, wie lange gefastet werden muss, damit dieser Prozess messbar zunimmt und ob das langfristig der Gesundheit nützt. Für eine Entgiftung durch Wasserfasten gibt es keinen Beleg. Leber und Nieren scheiden Stoffwechselprodukte ohnehin laufend aus. Beim Fasten steigt die Harnsäure im Blut sogar an.
Zwischenfazit
Wasserfasten verändert viele Messwerte schnell. Die meisten Effekte sind nach dem Fasten wieder verschwunden. Wer dauerhaft profitieren will, braucht danach eine Ernährungsumstellung. Für diesen Zweck ist Wasserfasten nach der Studienlage keine bessere Wahl als das Heilfasten nach Buchinger.
Nebenwirkungen und Risiken beim Wasserfasten
Häufige Beschwerden
Die Übersichtsarbeit von 2024 nennt Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Hunger und Schwindel als häufige Nebenwirkungen. Die meisten sind leicht und treten vor allem in den ersten Tagen auf.
Niedriger Blutdruck und Kreislaufprobleme
Weil der Körper Wasser und Salz verliert und der Blutdruck sinkt, wird dir beim schnellen Aufstehen leicht schwindelig. Das erhöht das Risiko für Stürze. Besonders gefährdet bist du, wenn du Blutdruckmittel oder Entwässerungstabletten nimmst, weil der Blutdruck dann zu stark sinken kann. Die Leitlinien der Ärztegesellschaft nennen einen Puls unter 45 Schlägen pro Minute und einen oberen Blutdruckwert unter 70 mmHg als Gründe, das Fasten abzubrechen.
Elektrolytstörungen
Beim Wasserfasten nimmst du über Tage kein Natrium auf. In den Studien sanken Natrium und Chlorid nach 8 bis 10 Tagen unter den Normbereich, Calcium und Magnesium gingen zurück. Die Leitlinien nennen Kalium unter 3,0 mmol/l, Natrium unter 125 mmol/l und Chlorid unter 90 mmol/l als Abbruchgrenzen. Diese Werte lassen sich nur über Blutabnahmen erkennen. Die Leitlinien sehen beim therapeutischen Fasten deshalb Laborkontrollen vor.
Harnsäure und Gicht
Beim Fasten steigt die Harnsäure im Blut. Ogłodek und Pilis fanden nach acht Tagen erhöhte Harnsäurewerte. In der Klinikstudie mit 1.422 Teilnehmenden zum Buchinger-Fasten stieg sie im Mittel von 338 auf 495 µmol/l. Das österreichische Gesundheitsportal nennt Gichtanfälle als mögliches Risiko des Fastens. Wenn du Gicht hast oder hattest, faste nur nach ärztlicher Rücksprache.
Entzündung und Blutplättchen
Die Studie von 2025 fand einen deutlichen Anstieg des Entzündungswerts CRP und Zeichen einer Aktivierung der Blutplättchen während rund zehn Tagen Wasserfasten. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist das ein weiterer Grund, längeres Wasserfasten nur ärztlich begleitet zu machen.
Wie lange darf man wasserfasten? 2, 3, 5 oder 7 Tage
Eine allgemein sichere Dauer für Wasserfasten gibt es nicht. Wir geben deshalb keine Anleitung für längere Wasserfastenkuren.
1 bis 2 Tage: Zu so kurzem Wasserfasten gibt es kaum eigene Studien. In dieser Zeit leeren sich die Glykogenspeicher, und der Körper beginnt mit der Umstellung auf Fett. Ein großer Teil des Gewichtsverlusts ist Wasser. Die Dauer liegt innerhalb der Grenze von fünf Tagen, die die Varady-Gruppe für Fasten ohne ärztliche Begleitung nennt. Ein messbarer Gesundheitsnutzen ist für so kurzes Wasserfasten nicht belegt.
3 bis 5 Tage: Die Arbeitsgruppe um Krista Varady rät, ohne ärztliche Begleitung nicht länger als fünf Tage zu fasten. Diese Grenze gilt für gesunde Erwachsene. Mit Vorerkrankungen oder Medikamenten ist schon ein kürzeres Wasserfasten eine Sache für die Ärztin oder den Arzt.
7 Tage und länger: Die Studien zu dieser Dauer fanden unter ärztlicher oder wissenschaftlicher Begleitung statt. Ab etwa acht Tagen zeigen sich Elektrolytstörungen. Die britische Leitlinie NICE zählt mehr als fünf Tage ohne nennenswerte Nahrung zu den Risikofaktoren für ein Refeeding-Syndrom, mehr als zehn Tage gelten für sich allein als hohes Risiko. Fasten über eine Woche gehört deshalb in eine Klinik mit Laborkontrollen.
Die Leitlinien der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung beschreiben für Gesunde eine Fastenwoche nach Buchinger mit fünf Fastentagen, Saft und Brühe. Längeres therapeutisches Fasten von 2 bis 4 Wochen sehen sie nur mit ärztlicher Begleitung vor. Für reines Wasserfasten ohne Begleitung enthalten sie keine Empfehlung.
Fastenbrechen und Refeeding-Syndrom
Das Ende des Fastens ist beim Wasserfasten eine heikle Phase. Wenn du nach längerem Fasten wieder isst, schüttet der Körper Insulin aus und stellt auf Aufbau um. Dabei wandern Phosphat, Kalium und Magnesium aus dem Blut in die Zellen, und auch Vitamin B1 wird verbraucht. Sinken diese Werte stark, sprechen Fachleute vom Refeeding-Syndrom. Laut einer Übersicht im Deutschen Ärzteblatt (2023) kann es zu Wassereinlagerungen, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen und neurologischen Ausfällen führen. Als Risikofaktor nennt die Übersicht unter anderem eine Phase von mindestens fünf Tagen, in denen weniger als die Hälfte des Bedarfs gegessen wurde. Die Übersicht bezieht sich vor allem auf mangelernährte Kranke. Beim Wasserfasten ist diese Bedingung nach fünf Tagen aber formal erfüllt.
So läuft der Kostaufbau in den Studien und Leitlinien ab:
- Langsam beginnen: Die Leitlinien beschreiben für das Buchinger-Fasten als Fastenbrechen einen reifen Apfel, roh oder gedünstet, den du langsam isst.
- Energie schrittweise steigern: Für die Aufbautage nennen die Leitlinien etwa 800 kcal am ersten, 1.000 kcal am zweiten, 1.200 kcal am dritten und 1.600 kcal am vierten Tag.
- Genug Zeit einplanen: In der Studie von Finnell und Kollegen dauerte der Kostaufbau halb so lange wie das Fasten. In der Studie von Goldhamer folgten auf 10 bis 11 Fastentage im Mittel 6 bis 7 Aufbautage.
Nach einem Wasserfasten von mehr als fünf Tagen sollte der Kostaufbau ärztlich begleitet werden, damit Elektrolyte kontrolliert werden können. Iss direkt nach dem Fasten keine große Mahlzeit.
Wasserfasten und Elektrolyte
Beim Heilfasten nach Buchinger liefert die tägliche Gemüsebrühe Natrium, Saft etwas Kalium. Beim Wasserfasten fehlen beide Quellen. Wie stark die Werte sinken, hängt von der Dauer, deiner Bewegung, der Hitze und deinem Gesundheitszustand ab. Mineralwasser liefert je nach Sorte etwas Natrium, Calcium und Magnesium. In der Studie von Ogłodek und Pilis tranken die Männer Mineralwasser und hatten nach acht Tagen trotzdem einen zu niedrigen Natriumspiegel.
Eine pauschale Menge für Salz oder Elektrolytpulver können wir nicht empfehlen. Worauf du bei Natrium, Kalium und Magnesium achten solltest und wann Produkte sinnvoll sein können, erklärt der Artikel über Elektrolyte beim Fasten. Vor einem mehrtägigen Wasserfasten klärst du die Frage am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wer nicht wasserfasten darf
Wasserfasten eignet sich auch nicht, um schnell vor einem Termin Gewicht zu verlieren. Der Verlust ist zu einem großen Teil Wasser und kehrt beim Essen zurück. Wenn du merkst, dass sich deine Gedanken stark um Essen, Verzicht und Gewicht drehen, sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer Beratungsstelle für Essstörungen.
Bessere Alternativen zum Wasserfasten
Wenn du mehrere Tage fasten möchtest, ist das Heilfasten nach Buchinger die besser beschriebene Methode. Es hat ärztliche Leitlinien, eine festgelegte Trinkmenge, täglich etwas Brühe und Saft und einen geregelten Kostaufbau. Für eine Fastenwoche gibt es ausgebildete Fastenleitungen und Fastengruppen.
Wenn es dir um Gewicht und Stoffwechsel im Alltag geht, ist Intervallfasten deutlich leichter durchzuhalten. Beim Intervallfasten 16:8 isst du täglich innerhalb von acht Stunden und trinkst in den übrigen 16 Stunden Wasser und ungesüßten Tee. Du nimmst dabei weiter Eiweiß und Mineralstoffe auf, und die Risiken eines mehrtägigen Fastens fallen weg.
Das Fazit fällt klar aus. Wasserfasten unter ärztlicher Aufsicht ist für ausgewählte gesunde Menschen in Studien meist verträglich. Gewicht, Blutdruck und Insulin sinken schnell, die meisten Effekte verschwinden aber nach dem Fasten wieder. Einen belegten Vorteil gegenüber dem Heilfasten nach Buchinger oder einer Ernährungsumstellung hat Wasserfasten nicht. Ohne Begleitung solltest du nicht länger als fünf Tage nur mit Wasser fasten, mit Vorerkrankungen oder Medikamenten gar nicht ohne ärztliche Absprache.
Häufige Fragen
Was ist Wasserfasten?
Beim Wasserfasten isst du mehrere Tage nichts und trinkst ausschließlich Wasser. Saft, Gemüsebrühe und Honig wie beim Heilfasten nach Buchinger fallen weg, die Energiezufuhr liegt bei null. Vom Trockenfasten unterscheidet es sich dadurch, dass du weiter ausreichend trinkst.
Ist Wasserfasten gesund?
Unter ärztlicher Aufsicht senkt Wasserfasten in Studien kurzfristig Gewicht, Blutdruck und Insulin. Eine Übersichtsarbeit von 2024 fand aber, dass die Verbesserungen bei Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker drei bis vier Monate nach dem Fasten nicht mehr nachweisbar waren. Die Studien sind klein und haben meist keine Kontrollgruppe. Einen belegten Vorteil gegenüber dem Heilfasten nach Buchinger oder einer Ernährungsumstellung gibt es nicht.
Ist Wasserfasten gefährlich?
Unter ärztlicher Aufsicht verliefen Wasserfasten in Studien meist ohne schwere Zwischenfälle. Typisch sind Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Hunger, Mundtrockenheit und Schwindel. Nach 8 bis 10 Tagen sank in Studien das Natrium im Blut unter den Normbereich, die Harnsäure stieg. Für Wasserfasten ohne Aufsicht gibt es keine vergleichbaren Daten. Mit Vorerkrankungen oder Medikamenten gehört es in ärztliche Hände.
Wie lange darf man wasserfasten?
Eine allgemein sichere Dauer ist nicht festgelegt. Die Arbeitsgruppe um Krista Varady rät, ohne ärztliche Begleitung nicht länger als fünf Tage zu fasten. Die britische Leitlinie NICE zählt mehr als fünf Tage ohne nennenswerte Nahrung zu den Risikofaktoren für Probleme beim Wiederanfangen mit dem Essen. Wir geben deshalb keine Anleitung für längere Wasserfastenkuren.
Wie viel nimmt man beim Wasserfasten ab?
In Studien sank das Gewicht je nach Dauer um 2 bis 10 Prozent, in einer Studie mit sieben Tagen im Mittel um 5,7 kg. Ein großer Teil davon ist Wasser, Glykogen und andere fettfreie Masse und kommt beim Essen schnell zurück. In einer Studie war das in fünf Tagen verlorene Gewicht nach drei Monaten wieder vollständig da.
Was passiert nach 3 Tagen Wasserfasten im Körper?
Nach 12 bis 36 Stunden sind die Glykogenspeicher der Leber weitgehend geleert, und der Körper nutzt vermehrt Fett und Ketonkörper. In einer Studie mit sieben Tagen Wasserfasten zeigten sich umfassende Veränderungen der Bluteiweiße erst nach etwa drei Tagen. Gleichzeitig ist die Zeit bis zum dritten Tag die Phase, in der Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden am häufigsten auftreten.
Brauche ich beim Wasserfasten Elektrolyte?
Beim Wasserfasten fehlt das Salz aus Brühe und Essen. In Studien sanken nach 8 bis 10 Tagen Natrium und Chlorid unter den Normbereich, Calcium und Magnesium gingen zurück. Ob und wie viel du ergänzt, hängt von Dauer und Gesundheitszustand ab. Kläre das vor einem mehrtägigen Wasserfasten ärztlich ab.
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Quellen
- Ezpeleta M, Cienfuegos S, Lin S, Pavlou V, Gabel K, Varady KA (2024): Efficacy and safety of prolonged water fasting, a narrative review of human trials. Nutrition Reviews 82(5)
- ScienceDaily: Fasting can help you lose weight, but you might gain it back quickly (2023)
- Ogłodek E, Pilis W (2021): Is Water-Only Fasting Safe? Global Advances in Health and Medicine
- Finnell JS et al. (2018): Is fasting safe? A chart review of adverse events during medically supervised, water-only fasting. BMC Complementary and Alternative Medicine
- Commissati S et al. (2025): Prolonged fasting promotes systemic inflammation and platelet activation in humans. Molecular Metabolism
- Pietzner M et al. (2024): Systemic proteome adaptions to 7-day complete caloric restriction in humans. Nature Metabolism
- ScienceDaily: Study identifies multi-organ response to seven days without food (2024)
- Gabriel et al. (2025): Prolonged Water-Only Fasting Followed by a Whole-Plant-Food Diet Promotes Fat-Free Mass Recovery and Continued Fat Mass Loss in Adults With Overweight or Obesity. Obesity Science & Practice
- Goldhamer A et al. (2001): Medically supervised water-only fasting in the treatment of hypertension. Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics
- Anton SD et al. (2018): Flipping the Metabolic Switch, Understanding and Applying the Health Benefits of Fasting. Obesity
- Kreitzman et al. (1992): Glycogen storage, illusions of easy weight loss, excessive weight regain, and distortions in estimates of body composition. American Journal of Clinical Nutrition
- Wilhelmi de Toledo F et al. (2013): Fasting therapy, an expert panel update of the 2002 consensus guidelines. Forschende Komplementärmedizin 20(6):434-443
- Volltext der Leitlinien 2013 (PDF)
- Wilhelmi de Toledo F et al. (2019): Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. PLOS ONE
- NICE Clinical Guideline CG32: Nutrition support for adults, Recommendations
- Heuft L et al. (2023): Refeeding-Syndrom. Deutsches Ärzteblatt
- Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at): Fasten






