Beim Heilfasten nach Buchinger verzichtest du einige Tage auf feste Nahrung. Du trinkst viel Wasser und Kräutertee, dazu gibt es täglich etwas Saft und Gemüsebrühe. Die Methode ist über 100 Jahre alt und die in Deutschland am besten beschriebene Form des mehrtägigen Fastens. Für sie gibt es ärztliche Leitlinien und eine wachsende Zahl von Studien.
Auf dieser Seite erfährst du, wie eine Fastenwoche abläuft, was die Studien zeigen und wo ihre Grenzen liegen. Du liest außerdem, wer nicht fasten sollte und wie sich Heilfasten von Wasserfasten, der Zitronensaftkur und dem Intervallfasten unterscheidet.
Was ist Heilfasten nach Buchinger?
Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) definiert Fasten als freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel wie Koffein und Nikotin für einen begrenzten Zeitraum. Beim Buchinger-Fasten liegt die Energiezufuhr laut ihren Leitlinien bei höchstens etwa 250 bis 500 kcal pro Tag. Diese Energie stammt aus Saft, Gemüsebrühe und etwas Honig. Die Leitlinien beschreiben Buchingers Ansatz als Behandlungskonzept, das Ernährung mit Physiotherapie, Mind-Body-Verfahren und Psychotherapie verbindet. Bewegung gehört deshalb fest dazu.
Herkunft der Methode
Der Arzt Otto Buchinger wurde 1878 in Darmstadt geboren. 1917 erkrankte er an einer schweren rheumatoiden Polyarthritis und schied aus dem Militärdienst aus. 1919 machte er in Freiburg eine Fastenkur bei dem Arzt Riedlin, die er als Wendepunkt beschrieb. 1920 eröffnete er in Witzenhausen seine erste Fastenklinik. 1935 erschien sein Buch „Das Heilfasten“, laut dem heutigen Klinikunternehmen die erste systematische Beschreibung der Fastenphysiologie. 1953 gründete er mit seiner Tochter Maria und seinem Schwiegersohn Helmut Wilhelmi die Klinik in Überlingen am Bodensee. Buchinger Wilhelmi betreibt heute Kliniken in Überlingen und Marbella.
Für gesunde Menschen hat sich daneben das Fasten in Gruppen und zu Hause etabliert. Die Deutsche Fastenakademie spricht vom Fasten nach Buchinger und Lützner, benannt nach dem Arzt Hellmut Lützner.
Was die Leitlinien der Ärztegesellschaft vorgeben
Die ÄGHE hat 2002 Leitlinien zur Fastentherapie veröffentlicht. 2013 erschien eine überarbeitete Fassung, erarbeitet von einer Expertengruppe um Françoise Wilhelmi de Toledo, in der Fachzeitschrift Forschende Komplementärmedizin. Die wichtigsten Punkte:
- Energie: höchstens etwa 250 bis 500 kcal pro Tag.
- Tägliche Zufuhr: 0,25 Liter frisch gepresster Obst- oder Gemüsesaft, 0,25 Liter Gemüsebrühe, Kräutertee, auf Wunsch mit höchstens 2 bis 3 Teelöffeln Honig am Tag, dazu Wasser.
- Flüssigkeit: mindestens 2,5 Liter kalorienfreie Flüssigkeit pro Tag, also Wasser und Kräutertee.
- Dauer: Für die Fastentherapie in der Klinik nennen die Leitlinien 2 bis 4 Wochen als optimale Dauer. Für Gesunde hat sich die Fastenwoche mit acht Tagen bewährt.
- Begleitung: Therapeutisches Fasten wird von Ärztinnen, Ärzten und Therapeuten mit einer Weiterbildung in Fastentherapie begleitet. Das Fasten für Gesunde läuft unter Anleitung einer ausgebildeten Fastenleitung.
- Bewegung: täglich angepasste Ausdauerbewegung, in den ersten drei Tagen mit Vorsicht.
Als Anwendungsgebiete nennen die Leitlinien unter anderem rheumatische Erkrankungen, das metabolische Syndrom, Bluthochdruck, Arthrose und Fibromyalgie. Die beste Studienlage sehen die Autorinnen und Autoren bei rheumatischen Erkrankungen.
Ablauf einer Fastenwoche
Die Leitlinien beschreiben für das Fasten für Gesunde acht Tage: einen Entlastungstag, fünf Fastentage und zwei Aufbautage.
Entlastungstag
Am Tag vor dem Fasten isst du deutlich weniger. Die Leitlinie nennt dafür vegetarische Kost mit weniger als etwa 1.000 kcal. Der Körper stellt sich so schon etwas auf die geringe Energiezufuhr ein.
Fastentage
An den Fastentagen nimmst du ausschließlich Flüssigkeit zu dir. Die Leitlinie nennt pro Tag:
- 0,25 Liter Obst- oder Gemüsesaft
- 0,25 Liter Gemüsebrühe
- Kräutertee, auf Wunsch mit höchstens 2 bis 3 Teelöffeln Honig
- Wasser, sodass du insgesamt mindestens 2,5 Liter kalorienfreie Flüssigkeit trinkst
Koffein und Nikotin lässt du in dieser Zeit weg. Dazu kommt jeden Tag Bewegung, die zu deiner Verfassung passt.
Darmreinigung mit Glaubersalz und Einlauf
Am ersten Fastentag wird der Darm klassischerweise mit einer Salzlösung entleert. Die Leitlinie nennt Glaubersalz (Natriumsulfat), in Wasser gelöst und innerhalb kurzer Zeit getrunken. Als Alternative nennt sie Bittersalz (Magnesiumsulfat). An den folgenden Fastentagen ist alle zwei Tage ein Einlauf mit warmem Wasser vorgesehen. So lief es auch in der großen Studie der Buchinger-Klinik von 2019.
Die Leitlinie begründet die Darmreinigung damit, dass der Darm zu Beginn des Fastens träger arbeitet, während Verdauungssäfte wie Galle weiter abgegeben werden. Ohne Entleerung könne das Übelkeit und Blähungen auslösen. Durch Vergleichsstudien ist diese Begründung nicht abgesichert. Wir haben keine kontrollierte Studie gefunden, in der Menschen mit und ohne Darmreinigung gefastet haben. Ob Glaubersalz und Einläufe für ein gut verträgliches Fasten nötig sind, ist deshalb offen.
Glaubersalz löst starken Durchfall aus, dabei verliert der Körper Wasser. Bei niedrigem Blutdruck rät die Leitlinie, die Menge zu verringern oder eine mildere Form der Darmentleerung zu wählen. Kläre die Darmreinigung mit deiner Fastenleitung ab, vor allem wenn du zu Kreislaufproblemen neigst.
Fastenbrechen
Am Ende der Fastentage brichst du das Fasten. Klassisch ist ein reifer Apfel, roh oder gedünstet, den du langsam isst. Am Abend gibt es eine Kartoffelsuppe.
Aufbautage
In den Aufbautagen steigerst du die Energiezufuhr schrittweise. Für den Kostaufbau nennt die Leitlinie etwa 800 kcal am ersten Tag und etwa 1.000 kcal am zweiten Tag. Bei einem längeren Kostaufbau folgen etwa 1.200 kcal am dritten und etwa 1.600 kcal am vierten Tag. Iss langsam und in kleinen Portionen. Viele nutzen diese Tage als Einstieg in eine dauerhafte Ernährungsumstellung.
Was die Studienlage zeigt
Große Beobachtungsstudie mit 1.422 Teilnehmenden
Die bisher größte Studie zum Buchinger-Fasten erschien 2019 in der Fachzeitschrift PLOS ONE. Ein Team um Françoise Wilhelmi de Toledo hat dafür ein Jahr lang 1.422 Gäste der Buchinger-Wilhelmi-Klinik in Überlingen begleitet. Sie fasteten zwischen 4 und 21 Tagen mit 200 bis 250 kcal pro Tag. Die Ergebnisse:
- Das Gewicht sank in der Gruppe mit rund fünf Fastentagen im Mittel um 3,2 kg, in der Gruppe mit rund 20 Tagen um 8,6 kg.
- Der Blutdruck sank im Mittel von 131,6 zu 83,7 auf 120,7 zu 77,9 mmHg.
- Blutzucker, HbA1c, Triglyceride und Cholesterin gingen zurück.
- Von 404 Teilnehmenden mit Beschwerden vor dem Fasten berichteten 341 (84,4 Prozent) von einer Besserung.
- 93,2 Prozent gaben an, keinen Hunger zu haben.
- Unerwünschte Ereignisse traten bei weniger als 1 Prozent auf. Zwei Personen mussten ins Krankenhaus, eine davon mit einem Herzinfarkt am neunten Fastentag.
Die Studie hat klare Grenzen, die die Autorinnen und Autoren selbst nennen. Es gab keine Kontrollgruppe. Die Daten wurden vom Klinikpersonal erhoben, und die Studie stammt aus der Klinik, die das Fasten anbietet. Langzeitdaten fehlen. Die Ergebnisse zeigen, dass Buchinger-Fasten unter ärztlicher Aufsicht bei den untersuchten Gästen gut verträglich war. Ob das Fasten die gemessenen Verbesserungen verursacht hat und wie lange sie anhalten, lässt sich daraus nicht ableiten.
Bluthochdruck und metabolisches Syndrom
Eine randomisierte Studie aus Berlin hat 71 Menschen mit metabolischem Syndrom und erhöhtem Blutdruck untersucht. An der Rekrutierung war die Arbeitsgruppe um Andreas Michalsen am Immanuel Krankenhaus Berlin und an der Charité beteiligt. Eine Gruppe fastete fünf Tage und stellte danach ihre Ernährung für drei Monate auf die blutdrucksenkende DASH-Kost um. Die andere Gruppe stellte nur die Ernährung um. Nach drei Monaten lag der im 24-Stunden-Profil gemessene Blutdruck in der Fastengruppe niedriger. 43 Prozent der Fastengruppe konnten ihre Blutdruckmittel reduzieren, in der Vergleichsgruppe waren es 17 Prozent. Der Body-Mass-Index sank nur in der Fastengruppe deutlich. Die Studie erschien 2021 in Nature Communications. Sie gehört zu den wenigen randomisierten Studien zum mehrtägigen Fasten und hat eine kleine Teilnehmerzahl. Sie deutet darauf hin, dass ein Fasten zu Beginn die Wirkung einer Ernährungsumstellung verstärken kann.
Rheumatoide Arthritis
Bei rheumatischen Erkrankungen hat das Heilfasten seine längste Tradition. Ältere Studien, darunter eine kontrollierte Studie aus Norwegen von 1991 in The Lancet, fanden nach Fasten und anschließender vegetarischer Kost eine Besserung. Diese Daten stammen aus einer Zeit vor den heutigen Rheuma-Medikamenten.
Die NutriFast-Studie der Charité hat das 2022 neu geprüft. 53 Menschen mit rheumatoider Arthritis wurden zufällig auf zwei Gruppen verteilt, 50 schlossen die Studie ab. Eine Gruppe fastete sieben Tage mit 300 bis 350 kcal pro Tag und aß danach elf Wochen pflanzenbasiert. Die andere Gruppe folgte zwölf Wochen einer entzündungshemmenden Kost nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die Krankheitsaktivität sank in beiden Gruppen deutlich, zwischen den Gruppen gab es keinen signifikanten Unterschied. Die Fastengruppe spürte die Besserung schneller. Unerwünschte Ereignisse wie Durchfall, Kribbeln und Müdigkeit traten in der Fastengruppe bei 10 von 25 Personen auf, in der Vergleichsgruppe bei 6 von 25. Die Autorinnen und Autoren sehen nach zwölf Wochen keinen Vorteil des Fastens gegenüber der leitliniengerechten Ernährung.
Neuere Übersichtsarbeiten und Studien
Eine Übersichtsarbeit der Arbeitsgruppe um Krista Varady von der University of Illinois Chicago hat 2024 in Nutrition Reviews acht Studien zu Wasserfasten und Buchinger-Fasten von 5 bis 20 Tagen ausgewertet. Das Gewicht sank um 2 bis 10 Prozent. Etwa zwei Drittel des Verlusts waren fettfreie Masse, ein Drittel Fett. Verbesserungen bei Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker waren drei bis vier Monate nach dem Fasten nicht mehr nachweisbar, auch wenn das Gewicht gehalten wurde. In einer Studie war das in fünf Tagen verlorene Gewicht nach drei Monaten wieder vollständig zurück.
Eine Studie von 2025 in Molecular Metabolism hat 20 Erwachsene während rund zehn Tagen Wasserfasten untersucht. Der Entzündungswert CRP stieg während des Fastens um 129 Prozent und fiel nach dem Kostaufbau bei fast allen wieder auf den Ausgangswert. Gleichzeitig zeigten sich Zeichen einer Aktivierung der Blutplättchen. Die Autorinnen und Autoren halten das für bedenklich, weil solche Veränderungen Herz und Gefäße belasten könnten. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe.
Grenzen der Studienlage
Die meisten Studien zum Heilfasten sind klein, haben keine Kontrollgruppe oder stammen aus Kliniken, die das Fasten selbst anbieten. Randomisierte Studien gibt es nur wenige, und sie umfassen meist weniger als 100 Personen. Gut belegt ist, dass Fasten unter ärztlicher Aufsicht für die meisten untersuchten Menschen verträglich ist und Gewicht und Blutdruck kurzfristig senkt. Ob es auf Dauer besser wirkt als eine Ernährungsumstellung allein, ist offen.
Fastenkrise, Nebenwirkungen und Warnsignale
Fastenkrise
Mit Fastenkrise ist ein körperliches oder seelisches Tief während des Fastens gemeint. Laut Leitlinien kommt sie gelegentlich vor, vor allem in den ersten drei Tagen. Die Leitlinien empfehlen dann einfühlsame Zuwendung durch die Begleitung und einfache Selbsthilfemaßnahmen aus der Naturheilkunde. Eine Fastenkrise ist von Warnsignalen zu unterscheiden, bei denen du abbrechen solltest.
Häufige Beschwerden
Die Leitlinien nennen leichte Kreislaufbeschwerden, eine leichte Unterzuckerung, Kopfschmerzen und Migräne, Muskelkrämpfe und Schlafstörungen. In der Studie mit 1.422 Teilnehmenden waren Schlafstörungen mit knapp 15 Prozent die häufigste Beschwerde, Muskelkrämpfe mit 0,35 Prozent die seltenste. Die Harnsäure im Blut stieg in dieser Studie im Mittel von 338 auf 495 µmol/l. Bei Menschen mit Gicht kann das einen Anfall auslösen. Das österreichische Gesundheitsportal nennt Gichtanfälle, Herzrhythmusstörungen und Kreislaufprobleme als mögliche Risiken des Fastens.
Elektrolyte und Trinkmenge
Beim Fasten sinkt die Zufuhr von Natrium, Kalium und Magnesium stark. Gemüsebrühe und Saft gleichen beim Buchinger-Fasten einen Teil davon aus. Die Leitlinien führen Störungen der Elektrolyte, vor allem einen zu niedrigen Natriumspiegel, als mögliche Komplikation auf. Ein sehr niedriger Kalium- oder Natriumwert ist für sie ein Grund, das Fasten abzubrechen. Wann zusätzliche Elektrolyte sinnvoll sein können, erklärt der Artikel über Elektrolyte beim Fasten. Trinke mindestens 2,5 Liter am Tag, bei Hitze und Bewegung entsprechend mehr.
Medikamente
Bei einigen Medikamenten muss die Dosis während des Fastens angepasst werden. Die Leitlinien nennen Blutdruckmittel, besonders Betablocker und Entwässerungstabletten (Diuretika), Diabetesmittel, blutverdünnende Mittel, Psychopharmaka, Kortison und Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen. Bei Insulin und Sulfonylharnstoffen droht eine Unterzuckerung, bei Blutdruckmitteln ein zu niedriger Blutdruck. Setze keine Medikamente eigenmächtig ab und faste mit regelmäßigen Medikamenten nur nach ärztlicher Absprache.
Wann du abbrechen solltest
Brich das Fasten ab und hol ärztliche Hilfe, wenn du Herzrasen oder Herzstolpern bemerkst, wenn dir stark schwindelig wird oder du ohnmächtig wirst, wenn du Schmerzen in der Brust hast, verwirrt bist, anhaltend erbrichst oder starken Durchfall hast. Die Leitlinien nennen als Abbruchgründe unter anderem einen sehr langsamen Puls unter 45 Schlägen pro Minute, einen sehr niedrigen Blutdruck und schwere Elektrolytstörungen. Bei Brustschmerz, Atemnot oder Bewusstseinsstörungen wähle den Notruf 112.
Wer nicht heilfasten darf
Heilfasten zu Hause, mit Fastenleitung oder in der Klinik
Fasten zu Hause
Die Leitlinien beschreiben das Fasten für Gesunde als kurzes Fasten in eigener Verantwortung zur Gesundheitsförderung und als eine Form der Erwachsenenbildung. Es ist zu Hause möglich, laut Leitlinie auch neben der Arbeit. Empfohlen wird dabei die Anleitung durch eine ausgebildete Fastenleitung, zum Beispiel über eine Bildungseinrichtung oder eine Fastengruppe. Wenn du allein zu Hause fastest, leg die Fastenwoche in eine ruhigere Zeit und sag jemandem Bescheid, dass du fastest. Halte dich an die Fastenwoche mit fünf Fastentagen. Die Varady-Gruppe rät, ohne ärztliche Begleitung nicht länger als fünf Tage zu fasten.
Mit Fastenleitung und beim Fastenwandern
Die Deutsche Fastenakademie (dfa) bildet seit 1980 Fastenleiterinnen und Fastenleiter aus. Sie zählt nach eigenen Angaben über 1.100 ausgebildete Fastenleitungen und gut 1.300 Fastenangebote im Jahr. Ihre Fastenwochen dauern meist 5 bis 7 Fastentage. Laut dfa ist Fasten ohne ärztliche Aufsicht möglich, wenn keine gesundheitlichen Bedenken bestehen. Die ÄGHE verweist Gesunde ebenfalls auf ausgebildete Fastenleitungen und auf Angebote wie das Fastenwandern der dfa. Beim Fastenwandern verbindest du eine Fastenwoche in der Gruppe mit täglichen Wanderungen. Eine Fastenleitung ersetzt keine ärztliche Begleitung. Mit Vorerkrankungen brauchst du zusätzlich eine Ärztin oder einen Arzt.
In der Fastenklinik
In einer Fastenklinik fastest du unter ärztlicher Aufsicht. Die Leitlinien sehen für die Fastentherapie Laborkontrollen vor, unter anderem von Blutbild, Elektrolyten, Leber- und Nierenwerten und Harnsäure. Medikamente werden dort fachkundig angepasst. Das ist sinnvoll, wenn du wegen einer Erkrankung fastest, Medikamente nimmst oder länger als eine Woche fasten möchtest.
Wasserfasten
Beim Wasserfasten trinkst du nur Wasser und nimmst weder Saft noch Brühe noch Honig zu dir, die Energiezufuhr liegt bei null. Damit fehlen dir auch die Mineralstoffe aus der Brühe, und nach mehreren Tagen können Natrium und andere Elektrolyte unter den Normbereich sinken. Was Tag für Tag im Körper passiert, was die Studien zeigen und wer nicht wasserfasten sollte, erklärt der Ratgeber Wasserfasten.
Zitronensaftkur (Master Cleanse)
Die Zitronensaftkur ist auch als Master Cleanse oder Lemonade Diet bekannt. Sie geht auf den US-amerikanischen Naturheilkundler Stanley Burroughs zurück, der sie in den 1940er-Jahren entwickelte und 1976 in seinem Buch „The Master Cleanser“ veröffentlichte. Bekannt wurde sie in den 2000er-Jahren durch Prominente.
Während der Kur trinkst du eine Limonade aus Zitronen- oder Limettensaft, Ahornsirup, Wasser und Cayennepfeffer. Dazu kommen morgens Salzwasser zum Abführen und abends ein abführender Kräutertee. Feste Nahrung gibt es nicht. Die Kur ist auf mindestens 10 und bis zu 40 Tage angelegt.
Die Kur enthält fast kein Eiweiß und kaum Fett, Vitamine und Mineralstoffe. Für die versprochene Entgiftung gibt es keinen Beleg. Laut einer bei WebMD zitierten Ernährungswissenschaftlerin verlierst du dabei vor allem Wasser, Muskelmasse und gespeicherte Kohlenhydrate. Als Risiken werden Schwindel, Störungen des Elektrolythaushalts, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Flüssigkeitsmangel genannt. Das tägliche Abführen mit Salzwasser und Tee verstärkt den Verlust von Wasser und Mineralstoffen. Das österreichische Gesundheitsportal hält allgemein fest, dass es für Detox-Kuren keine wissenschaftlichen Belege für einen gesundheitlichen Vorteil gibt.
Wir veröffentlichen deshalb keinen Plan für eine mehrtägige Zitronensaftkur. Wenn du einige Tage fasten möchtest, ist das Heilfasten nach Buchinger die besser beschriebene Methode. Es hat ärztliche Leitlinien, eine festgelegte Trinkmenge und einen geregelten Kostaufbau.
Fastenformen im Vergleich
| Methode | Was du zu dir nimmst | Typische Dauer | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Heilfasten nach Buchinger | Wasser, Kräutertee, täglich etwas Saft und Gemüsebrühe, wenig Honig, etwa 250 bis 500 kcal | Fastenwoche mit 5 Fastentagen, therapeutisch 2 bis 4 Wochen | Ärztliche Leitlinien vorhanden, Studien meist ohne Kontrollgruppe |
| Wasserfasten | Nur Wasser | In Studien 5 bis 20 Tage unter Aufsicht | Ohne Begleitung höchstens 5 Tage, Elektrolyte beachten |
| Saftfasten | Obst- und Gemüsesäfte, Wasser, Kräutertee | Mehrere Tage | Mehr Saft und damit mehr Zucker als beim Buchinger-Fasten, Nutzen von Detox-Kuren nicht belegt |
| Basenfasten | Obst, Gemüse, Kartoffeln und Kräuter, kein Fleisch und keine Süßigkeiten | Mehrere Tage bis Wochen | Ernährungsform mit Essen, die Annahme einer Übersäuerung ist wissenschaftlich kaum untersucht |
| F.X.-Mayr-Kur | Zuerst Tee und Wasser, dann altbackene Semmeln mit Milch, danach milde Schonkost | Mehrere Wochen | Kalorienreduzierte Kur mit Darmreinigung, kaum Studien |
| Zitronensaftkur (Master Cleanse) | Limonade aus Zitronensaft, Ahornsirup und Cayennepfeffer, Salzwasser, Abführtee | 10 bis 40 Tage | Kaum Eiweiß und Mineralstoffe, Entgiftung nicht belegt, nicht empfehlenswert |
| Intervallfasten | Normale Mahlzeiten in einem Zeitfenster oder an festen Tagen | Dauerhaft im Alltag | Gut untersucht, siehe Intervallfasten |
| Trockenfasten | Weder Essen noch Flüssigkeit | Wenige Tage | Hohes Risiko für Dehydrierung, siehe Trockenfasten |
Die Angaben zur F.X.-Mayr-Kur stammen aus den ÄGHE-Leitlinien und vom österreichischen Gesundheitsportal, die zum Basenfasten vom Gesundheitsportal und von Medizin transparent. Medizin transparent kommt zu dem Schluss, dass es kaum Studien zum Zusammenhang zwischen basen- oder säurebetonter Ernährung und Gesundheit gibt. Der Körper hält den pH-Wert des Blutes über Puffersysteme, Atmung und Nieren konstant zwischen 7,35 und 7,45.
Heilfasten 16:8: der Unterschied zum Intervallfasten
Heilfasten 16:8 ist keine eigene Methode. Beim Intervallfasten 16:8 isst du jeden Tag innerhalb von acht Stunden normale Mahlzeiten und fastest die übrigen 16 Stunden. Beim Heilfasten verzichtest du mehrere Tage am Stück auf feste Nahrung. Die beiden Methoden unterscheiden sich in Dauer, Energiezufuhr und Risiko deutlich. 16:8 lässt sich dauerhaft in den Alltag einbauen.
Kombinieren lassen sich beide nacheinander. Nach einer Fastenwoche und den Aufbautagen kannst du mit 16:8 weitermachen, um die Ernährungsumstellung zu festigen. Wie das geht, erklärt der Artikel über Intervallfasten 16:8.
Häufige Fragen
Was ist Heilfasten nach Buchinger?
Heilfasten nach Buchinger ist ein mehrtägiger Verzicht auf feste Nahrung und auf Genussmittel wie Koffein und Nikotin. Du trinkst Wasser und Kräutertee, dazu täglich etwas Saft und Gemüsebrühe, auf Wunsch mit etwas Honig. Laut den Leitlinien der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung kommst du damit auf höchstens etwa 250 bis 500 kcal pro Tag. Die Methode geht auf den Arzt Otto Buchinger zurück, der 1920 seine erste Fastenklinik eröffnete.
Wie lange sollte man heilfasten?
Für gesunde Menschen beschreiben die Leitlinien eine Fastenwoche mit acht Tagen: ein Entlastungstag, fünf Fastentage und zwei Aufbautage. Die Deutsche Fastenakademie nennt für das Fasten nach Buchinger und Lützner meist 5 bis 7 Fastentage. Für die therapeutische Fastenkur nennen die Leitlinien 2 bis 4 Wochen. Sie gehört in ärztliche Begleitung, in der Regel in einer Fastenklinik.
Kann ich zu Hause heilfasten?
Wenn du gesund bist und keine Medikamente nimmst, ist eine Fastenwoche zu Hause möglich, laut Leitlinie auch neben der Arbeit. Empfohlen wird die Anleitung durch eine ausgebildete Fastenleitung, zum Beispiel in einer Fastengruppe. Mit Vorerkrankungen oder regelmäßigen Medikamenten sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Muss ich beim Heilfasten abführen?
Die Darmentleerung mit Glaubersalz oder Bittersalz und Einläufe gehören zur klassischen Praxis. Die Leitlinie begründet sie mit der trägen Darmtätigkeit zu Fastenbeginn und mit Beschwerden wie Übelkeit und Blähungen. Wir haben keine kontrollierte Studie gefunden, die Fasten mit und ohne Darmreinigung vergleicht. Ob sie nötig ist, ist deshalb nicht belegt. Bei niedrigem Blutdruck rät die Leitlinie zu einer geringeren Menge oder einer milderen Methode.
Was ist der Unterschied zwischen Heilfasten und Wasserfasten?
Beim Heilfasten nach Buchinger trinkst du täglich etwas Saft und Gemüsebrühe und kommst auf höchstens etwa 250 bis 500 kcal. Beim Wasserfasten trinkst du nur Wasser, die Energiezufuhr liegt bei null, und die Mineralstoffe aus der Brühe fehlen. Die Arbeitsgruppe um Krista Varady rät, ohne ärztliche Begleitung nicht länger als fünf Tage zu fasten. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber zum Wasserfasten.
Was ist der Unterschied zwischen Heilfasten und 16:8?
Beim Intervallfasten 16:8 isst du jeden Tag innerhalb von acht Stunden normale Mahlzeiten und machst 16 Stunden Pause. Beim Heilfasten verzichtest du mehrere Tage am Stück auf feste Nahrung. Heilfasten 16:8 ist keine eigene Methode. Du kannst aber nach einer Fastenwoche und den Aufbautagen mit 16:8 weitermachen.
Wie viel nimmt man beim Heilfasten ab?
In einer Beobachtungsstudie einer Fastenklinik mit 1.422 Teilnehmenden sank das Gewicht nach rund fünf Fastentagen im Mittel um 3,2 kg, nach rund 20 Tagen um 8,6 kg. Laut einer Übersichtsarbeit sind beim mehrtägigen Fasten etwa zwei Drittel des Verlusts fettfreie Masse, dazu zählen Wasser und Muskelgewebe. In einer der ausgewerteten Studien war das Gewicht nach drei Monaten vollständig zurück.
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Quellen
- Wilhelmi de Toledo F et al. (2013): Fasting therapy, an expert panel update of the 2002 consensus guidelines. Forschende Komplementärmedizin 20(6):434-443
- Volltext der Leitlinien 2013 (PDF)
- Wilhelmi de Toledo F et al. (2019): Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. PLOS ONE
- Maifeld A et al. (2021): Fasting alters the gut microbiome reducing blood pressure and body weight in metabolic syndrome patients. Nature Communications
- Max-Delbrück-Centrum: Fasting acts as diet catalyst (Pressemitteilung 2021)
- Hartmann AM et al. (2022): To eat or not to eat, an exploratory randomized controlled trial on fasting and plant-based diet in rheumatoid arthritis (NutriFast-Study). Frontiers in Nutrition
- Ezpeleta M, Cienfuegos S, Lin S, Pavlou V, Gabel K, Varady KA (2024): Efficacy and safety of prolonged water fasting, a narrative review of human trials. Nutrition Reviews 82(5)
- ScienceDaily: Fasting can help you lose weight, but you might gain it back quickly (2023)
- Ogłodek E, Pilis W (2021): Is Water-Only Fasting Safe? Global Advances in Health and Medicine
- Finnell JS et al. (2018): Is fasting safe? A chart review of adverse events during medically supervised, water-only fasting. BMC Complementary and Alternative Medicine
- Commissati S et al. (2025): Prolonged fasting promotes systemic inflammation and platelet activation in humans. Molecular Metabolism
- Mesnage R et al. (2019): Changes in human gut microbiota composition are linked to the energy metabolic switch during 10 d of Buchinger fasting. Journal of Nutritional Science
- Buchinger Wilhelmi: Geschichte
- Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung: Fasten für Gesunde
- Deutsche Fastenakademie: Die dfa
- Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at): Fasten
- Medizin transparent: Basenfasten, die Kur für Ihre Geldbörse (2016)
- WebMD: Master Cleanse (Lemonade) Diet Review
- Wikipedia: Master Cleanse






